EIN FENSTER ZUM OSTEN
Welcher Freitag ist «nächsten Freitag»?
Wie vertraute Wörter zu unterschiedlichen Daten führen und eine kurze Frage das Warten erspart.
Alaaeldin Elgharbawy
الْجُمُعَةُ الْقَادِمَة
Ein anderes Mal sagte mir jemand an einem Mittwoch, unser Termin sei nächsten Freitag. Ich verstand darunter den Freitag in zwei Tagen. Dieser Freitag lag ja noch vor uns. Für mich war deshalb selbstverständlich, dass mit «nächsten Freitag» der Freitag in zwei Tagen gemeint sein musste. Der Freitag kam, und ich wartete auf ihn. Der Termin war mir wichtig. Als er nicht erschien, war ich verärgert und dachte, er habe ihn vergessen oder seine Zusage nicht eingehalten. Dann stellte sich heraus, dass wir zwei verschiedene Tage gemeint hatten: Ich meinte den Freitag dieser Woche, er den Freitag der folgenden Woche. Ich wartete auf ihn. Für ihn waren wir an diesem Tag gar nicht verabredet.
Das Amüsante ist, dass mir dieses Missverständnis mit anderen Menschen wieder passiert ist, selbst nachdem ich den Unterschied verstanden hatte. Ich wusste, dass die Formulierung präzisiert werden musste. Doch im Gespräch fiel ich in meine Gewohnheit zurück: Solange der Freitag noch nicht da ist, ist er der nächste Freitag! Die vertraute Deutung war immer noch zuerst da.
Diese Situation zeigte mir, wie ich mir aufgrund einer Bedeutung, die mir klar erschien, ein Urteil über mein Gegenüber bildete. Wie schnell geht es von «So habe ich es verstanden» zu «Das hat er mir versprochen»! Danach ärgern wir uns über einen Menschen, der vielleicht nicht einmal weiss, dass es etwas gibt, das uns verärgert.
Eine kleine Frage hätte die Sache klären können: Meinst du den Freitag in zwei Tagen oder den Freitag der nächsten Woche? Doch die Frage fällt uns nicht immer ein, wenn wir sicher sind, dass wir es verstanden haben.
Solche Missverständnisse entstehen auch zwischen Menschen, die dieselbe Muttersprache haben. Deshalb braucht nicht jede Verwechslung eine grosse Erklärung über Nationalität oder Pünktlichkeit. Vielleicht fehlte im Gespräch einfach das Datum.
Für einen Online-Termin kommt bei Bedarf die Zeitzone hinzu. Zwei Menschen können dieselbe Uhrzeit richtig erinnern und sie doch auf unterschiedliche Ortszeiten beziehen. Tag, Datum, Uhrzeit und Zeitzone in einer kurzen Nachricht machen die Vereinbarung verständlicher.
Nachfragen zeigt nicht unbedingt eine schwache Sprachkenntnis. Auch wer eine Sprache sicher spricht, klärt mehrdeutige Angaben. «Ich möchte kurz sicher sein: Meinst du …?» ist oft der hilfreichste Satz im ganzen Gespräch.
Bearbeitet nach dem Buch des Autors «Wenn du den Osten verstehen willst», Kapitel 12.
