EIN FENSTER ZUM OSTEN
Was bedeutet Baraka in Zeit und Alltag?
Über Segen, das Gute in dem, was wir haben, und eine Wirkung, die sich nicht allein zählen lässt.
Alaaeldin Elgharbawy
بَرَكَة
Wenn jemand über eine kurze Zeit, in der er etwas für seine Familie erledigt und einem anderen geholfen hat, sagt: «Darin lag Baraka», spricht er vom Segen, vom Guten, das er in dieser Zeit gefunden hat. Er weiss, dass die Zahl der Stunden begrenzt ist. Doch er dankt Gott für das, was darin an Nützlichem Platz gefunden hat. Im Gebet um Baraka liegt die Hoffnung, dass das, was einem Menschen gegeben wurde, Gutes hervorbringt. Etwas kann rechnerisch klein bleiben und in seiner Wirkung auf das Leben gross werden.
Vielleicht sagt eine Familie nach einem Essen, das für alle Gäste gereicht hat, darin sei Baraka gewesen. Eine andere Person blickt auf einen kurzen Tag zurück, in dem Platz für Arbeit, einen Besuch und eine hilfreiche Begegnung war. Sie nimmt wahr, was das Vorhandene bewirkt hat.
In religiösem Gebrauch ist Baraka mit dem Guten verbunden, das Gott in dem schenkt, was ein Mensch hat. Wer um Baraka bittet, hofft, dass Zeit, Nahrung oder Besitz ihm und anderen zugutekommen und ihre gute Wirkung behalten.
Das Wort ersetzt keine praktische Planung. Wer seinen Tag sinnvoll ordnet oder Essen für Gäste vorbereitet, kann handeln und zugleich auf Gottes Segen hoffen. Aus einem gelungenen oder schwierigen Tag lässt sich aber kein Urteil über die Frömmigkeit eines Menschen ableiten.
Für Lernende ist die Frage hilfreich: Wofür dankt die Person gerade? Für eine ausreichende Menge, eine gute Wirkung oder Hilfe zur richtigen Zeit? Wenn du das hörst, kommt dir die Bedeutung näher als durch eine Zahl allein.
Bearbeitet nach dem Buch des Autors «Wenn du den Osten verstehen willst», Kapitel 12.
