EIN FENSTER ZUM OSTEN
Wenn dein Name zum Gesprächsthema wird
Ein Name kann eine Tür zu Sprache und Familiengeschichte öffnen — und lässt doch Raum für den Menschen.
Alaaeldin Elgharbawy
عَلَاءُ الدِّين
Manchmal beginnt eine solche Entdeckung mit einem Namen. In einem Gespräch mit meinem Lehrer Michael kam die Frage auf, was mein Name «Alaaeldin» bedeutet und was er mit Religion zu tun hat. Einen Namen, den ich seit meiner Kindheit höre und jeden Tag benutze, ohne darüber nachzudenken, musste ich plötzlich erklären. Wenn der Zuhörer die Bestandteile des Namens kennt, hört er etwas darin, das er vorher nicht gehört hat. «Alaa» trägt die Bedeutung von Erhabenheit und Höhe und ist mit «din», Religion, verbunden. So tritt hinter dem Klang eine religiöse und kulturelle Bedeutung hervor, die jemandem verborgen blieb, der den Namen nur als Mittel kannte, mich anzusprechen.
Mein Name war vor vielen meiner Entscheidungen da. Eine Familie wählt einen Namen vielleicht wegen seiner religiösen Bedeutung, eine andere in Erinnerung an einen geliebten Grossvater. Vielleicht beschäftigt sich der Träger des Namens mit dessen Bedeutung, vielleicht benutzt er ihn jeden Tag, ohne darüber nachzudenken. Der Name eröffnet deshalb eine Möglichkeit, zu fragen und einander kennenzulernen. Erst wenn der Mensch über sich selbst spricht, erfahren wir, wie er lebt und woran er glaubt.
Im Arabischen begegnen dir Namen mit Bezügen zu Religion, Eigenschaften, Wünschen oder der Erinnerung an einen Menschen. Nicht jeder Name ist religiös, und seine Bedeutung sagt nicht verlässlich, wie sein Träger denkt oder lebt.
Du kannst deshalb fragen: «Was bedeutet dein Name?» und dann zuhören, was die Person selbst darüber erzählen möchte. Vielleicht kennt sie eine Familiengeschichte dazu. Vielleicht ist der Name für sie vor allem ein vertrauter Klang.
Auch die Aussprache ist ein guter Anfang: «Wie sprichst du deinen Namen aus?» Zeige Interesse und lass deinem Gegenüber selbst entscheiden, wie viel es teilen möchte. So führt ein Wort zum Kennenlernen statt zu einem schnellen Urteil.
Bearbeitet nach dem Buch des Autors «Wenn du den Osten verstehen willst», Kapitel 12.
