EIN FENSTER ZUM OSTEN
«In schāʾ Allāh»: Ist unser Termin vereinbart?
Wie ein Ausdruck über die Zukunft einen konkreten Plan begleiten kann — und wann Nachfragen hilft.
Alaaeldin Elgharbawy
إِنْ شَاءَ اللَّهُ
Meine Schweizer Schülerin Fiorina erzählte mir, dass sie in einem Krankenhaus in Ägypten behandelt werden musste. Nach einer Untersuchung sagte ihr der Arzt, das Ergebnis werde in drei Tagen vorliegen, in schāʾ Allāh. Sie war erstaunt und fragte sich, wie verbindlich diese Zeitangabe wohl sei. Sie war es nicht gewohnt, einen medizinischen Termin zusammen mit «in schāʾ Allāh», «so Gott will», zu hören. Dann lag das Ergebnis pünktlich vor.
Was sie erzählte, beschäftigte mich. Der Arzt hatte einen Zeitraum genannt. Doch der Hinweis auf Gottes Willen liess sie daran zweifeln, wie verbindlich diese Angabe war. Diese Deutung kam nicht aus dem Nichts. Sie verstand den Ausdruck vor dem Hintergrund dessen, was sie in einer solchen Situation zu hören gewohnt war.
Wenn wir «in schāʾ Allāh» als Ausdruck unseres Glaubens sagen, verbinden wir unsere Absicht, etwas zu tun, mit dem Bewusstsein, dass manches, was geschehen wird, ausserhalb unserer Macht liegt. Wir legen einen Termin fest, bereiten uns vor und arbeiten daran, ihn einzuhalten. Zugleich wissen wir, dass viele Pläne durch etwas durchkreuzt werden können, mit dem wir nicht gerechnet haben. Wie oft haben wir etwas ernsthaft geplant, und dann wurde es durch eine Krankheit, eine unterbrochene Reise oder einen unvorhergesehenen Umstand verändert. Wenn ein Gläubiger sich dieser Bedeutung bewusst ist, spricht er mit Vertrauen in seine Absicht und mit Demut gegenüber dem, was nicht in seiner Hand liegt, über die Zukunft.
Der Ausdruck kann auch aus Gewohnheit fallen, oder jemand benutzt ihn, um einer klaren Antwort auszuweichen. Was er meint, zeigt sich in seinen Worten und seinem Handeln. In diesem Fall lag das Untersuchungsergebnis pünktlich vor. Der Hinweis auf Gottes Willen entbindet einen Menschen nicht von der Verantwortung für das, was er tun kann.
Hier sehen wir, wie der Glaube in das alltägliche Gespräch über das Leben einfliesst. Gott wird vielleicht erwähnt, wenn es um ein Untersuchungsergebnis, einen Besuch am nächsten Tag oder eine Arbeit geht, die wir abschliessen wollen. Für jemanden, der diesen Gebrauch gewohnt ist, kann all das in einem Satz zusammenkommen, ohne ungewöhnlich zu wirken.
Entscheidend ist auch der übrige Satz. «Ja, Dienstag um fünf, in schāʾ Allāh» ist etwas anderes als «Vielleicht schaffe ich es, in schāʾ Allāh, ich melde mich noch». Im zweiten Fall steht eine Bestätigung aus.
Wenn du planen musst, frage ruhig: «Ist der Termin damit bestätigt?» oder «Soll ich noch auf deine Rückmeldung warten?» Auch der Sprechende kann Klarheit schaffen: «Ich komme, in schāʾ Allāh. Wenn sich etwas ändert, sage ich dir Bescheid.» So bleibt Raum für den vertrauten Ausdruck und für die Zeit des anderen.
Bearbeitet nach dem Buch des Autors «Wenn du den Osten verstehen willst», Kapitel 12.
