EIN FENSTER ZUM OSTEN
Der Kaffee, der nie kam
Über eine höfliche Ablehnung, unausgesprochene Erwartungen und verständliche Gastfreundschaft.
Alaaeldin Elgharbawy
قَهْوَة · شُكْرًا
Bei einem Besuch bot mir mein Freund eine Tasse Kaffee an. Ich sagte «Danke» und machte eine ablehnende Geste, als würde ich «Nein, danke» sagen. Ich wartete darauf, dass er sein Angebot wiederholte. Doch das tat er nicht, und es kam kein Kaffee. Nach der Gewohnheit, die ich kenne, kann Gastfreundschaft mit einem Angebot beginnen, auf das eine höfliche Ablehnung folgt. Dann wiederholt der Gastgeber sein Angebot, und der Gast nimmt es an. Deshalb hatte ich nicht das Gefühl, dass das Gespräch über den Kaffee beendet war. Mein Freund hingegen verstand meine Antwort als höfliches Nein und respektierte es.
Für mich war meine Ablehnung der Beginn einer Runde von Höflichkeiten, für ihn das Ende des Angebots. Er reagierte auf das, was ich gesagt und mit meiner Geste gezeigt hatte. Ich wartete auf einen Schritt, den ich für selbstverständlich hielt, ohne darum zu bitten. Unsere Vorstellungen gingen bei dem auseinander, was nach der Ablehnung geschehen sollte.
Ein Wörterbuch hilft uns, die Wörter zu verstehen. Um zu wissen, ob der Kaffee noch einmal angeboten wird, brauchen wir aber etwas anderes: Erfahrung mit dem, was die beiden Gesprächspartner in einer solchen Situation gewohnt sind.
Selbst in derselben Familie können Menschen unterschiedlich empfinden, wie viel Drängen angenehm ist. Manche mögen es, wenn ihnen Essen noch einmal angeboten wird. Andere erwarten, dass ihre Ablehnung schon beim ersten Mal ernst genommen wird. Was uns klar erscheint, ist vielleicht nur deshalb klar, weil wir es gewohnt sind, und nicht, weil jeder Zuhörer es genauso verstehen wird.
Daraus muss keine allgemeine Regel über «die Araber» oder «die Europäer» werden. Gewohnheiten unterscheiden sich auch innerhalb derselben Familie. Ein erneutes Angebot kann als herzlich empfunden werden; jemand anderes erlebt es als unangenehmes Drängen.
Heute hilft mir eine kleine Klarstellung: «Ja, gern einen Kaffee» oder «Danke, diesmal wirklich nicht». Als Gastgeber kann ich fragen: «Möchtest du noch etwas? Es ist völlig in Ordnung, Nein zu sagen.» Wärme und Klarheit können gut zusammengehen.
Bearbeitet nach dem Buch des Autors «Wenn du den Osten verstehen willst», Kapitel 12.
